„Liebelei“ von Arthur Schnitzler - Archiv, Hubsi Kramar, Theater

mit Hubsi Kramar

Inszenierung: Rudolf Frey

Um 19.30 Uhr im Großen Haus, Landestheater

Letzte Vorstellung: Mi., 15.11., 19.30 Uhr.

Infos und Karten: www.landestheater.org

BUNBURY - Archiv, Hubsi Kramar, Theater

„The importance of being ernest“ – eine triviale Komödie für ernsthafte Leute von Oscar Wilde

Hubsi Kramars umjubelte Inszenierung nun in einer neuen Version. Hinter Witz und Leichtigkeit der geistreichen Dialoge steht der Ernst von Oscar Wildes gesellschaftskritischer Persiflage.

Fake News und Heuchelei gibt es seit Menschengedenken.

Die zwei englischen Gentlemen Algernon und Jack (im Englischen die Slangform von John) sind Lebemänner und geben sich in ihrer Freizeit dem Vergnügen hin. Um diese Leidenschaft mit ihrem gesellschaftlichen Rang vereinen zu können, haben beide eine Ausrede erfunden: Algernon einen kranken Freund namens Bunbury, um ab und zu Ausflüge aufs Land begründen zu können, und Jack seinen Bruder Ernest (in der deutschen Übersetzung Ernst), um hin und wieder in die Stadt zu kommen…

The Importance of Being Earnest (deutscher Titel: Ernst sein ist alles oder auch Bunbury) ist eine Komödie in drei Akten von Oscar Wilde, uraufgeführt am 14. Februar 1895 im Londoner St.-James-Theater.

Die Komödie gehört zu den erfolgreichen Salonstücken Wildes, in denen er geistreich und ironisierend die Herren und Damen der Oberschicht attackierte, ohne jedoch ihr parasitäres Leben grundsätzlich in Frage zu stellen. Wilde selbst betrachtete Bunbury als seine beste Komödie, brilliert sie doch – wie ein Kritiker schrieb – „durch Sprachwitz und exzellent kalkulierte Situationskomik“.


Mit: Stefano Bernardin, Dirk Warme, Lucy McEvil, Maddalena-Noemi Hirschal, Dagmar Bernhard, Lilly Prohaska, Christian Rajchl, Marko Kölbl und Sascha Tscheik.

Bühne: Markus Liszt, Kostüm: Heida Url, Video: Peter Hirsch, Produktionsleitung: Alexandra Reisinger, Regie: Hubsi Kramar


Premiere am 8.November 2017 – 19:30 Uhr

Weitere Vorstellungen: 14., 25. November + 2., 5. Dezember – 19:30 Uhr

im Theater Akzent – Theresianumgasse 18, 1040 Wien

Karten unter: www.akzent.at

Hubsi Kramar in “LIEBELEI” in der Rolle des Hans Weiring - Archiv, Hubsi Kramar, Theater

von Arthur Schnitzler

Regie: Rudolf Frey

im Vorarberger Landestheater
07., 13. 19. 26. Oktober und 15. November 2017 um 19.30

“SCHOCK” 22. 01. 2017 der neue Tatort – ORF1, ARD, SRG um 20.15 - Archiv, Hubsi Kramar, Theater

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BESONDERS darauf hinweisen tue ich nicht weil ich selbst mitspiele sondern ich find “SCHOCK” als einen der besten Tatorte den ich gesehen habe (bei einer Voraufführung) inhaltlich sehr aktuell, tolles Buch, tolle Regie vom Meister alias Rupert Henning!

BEZAHLT WIRD NICHT! – Kritiken - Archiv, Hubsi Kramar, Theater

Lacht kaputt, was euch kaputt macht! (KURIER von Heinz Wagner – 11.11.15)
Mitreißende Version von “Bezahlt wird nicht!” von Dario Fo in der Regie von Hubsi Kramar mit einem sehr spielfreudigen Team im Wiener Theater Akzent. Asli Kişlal, Stefano Bernardin, Markus Kofler, Sascha Tscheik und Gioia Osthoff Spielfreude pur. Die da oben auf der Bühne haben ihre Hetz. Und nehmen das Publikum voll die knapp zwei Stunden mit. Das Haus tobt. Lachen aus vollem Hals. Wenngleich es hin und wieder in diesem stecken bleibt. Himmlisch mitreißend temperamentvoll spielt das Quintett die bitterböse Sozialsatire „Bezahlt wird nicht“ des italienischen Literaturnobelpreisträgers Dario Fo. Viele seiner Stücke bzw. jener, die er gemeinsam mit Franca Rame, produziert hat, sind als Volks-Komödien angelegt: Aufgreifen brennender sozialpolitischer Fragen aber nicht auf einem abgehoben pseudo-intellektuellen Niveau, sondern verortet im Alltag normaler, durchschnittlicher Menschen. Ein bisschen oder auch mehr überdreht, Situationskomik, Sprach- und Wortwitz – und herrschende Verhältnisse werden so demaskiert und in Frage gestellt.

Situationskomik, Sprach- und subversiver Wortwitz:  Der Plott des vor 4o Jahren geschriebenen Stücks „Bezahlt wird nicht!“: Die Preise steigen, die Arbeitslosigkeit auch. Verzweiflung. Spontane Proteste – und sozusagen Selbsthilfe. Frauen im Supermarkt nehmen sich was sie brauchen – oder auch nicht. Und zahlen nicht. Doch ihr Ehemann Giovanni ist ein sehr korrekter. Lieber verhungern als stehlen. Also muss sie die Sachen verstecken. Ihre Freundin Margherita stopft sich Nudeln, Oliven und anderes widerwillig unter den Rock. Plötzlich „schwanger“. Doch wie das deren Mann Luigi erklären?! Obendrein taucht ein Polizist, pardon Wachtmeister, auf, um alle Wohnungen zu inspizieren… Dazu gesellen sich noch ein paar weitere Komplikationen, u.a., dass Antonia beim Zugreifen Hunde-, Katzen, und Vogelfutter erwischt hat… Neben vielen spontanen Lachern über lustige, verwickelte Situationen, Antonias Erfindung fantasievoller Ausreden am laufenden Band, Wortspiele oder die genialen Buchstabenverwechslungen des Carabiniere wie etwa „häute deine Zange“ statt „hüte deine Zunge“ kommt grundsätzlichere Kritik an der Ungerechtigkeit, am kapitalistischen System in dieser ironischen Form daher. Wie verhältnismäßig ist die Illegalität von Lebensmittel-Diebstählen im Vergleich zur legalen Ausbeutung etwa?  Zum Nachdenken anregen durch Witz und Humor. Sozusagen: Lacht kaputt, was euch kaputt macht!

Zwei neue Lieder: Das Team rund um Regisseur Hubsi Kramar, der im zweiten Teil selbst einen kleinen Auftritt hat, traf sich zu Beginn der Arbeit an diesem Stück eine Woche abseits des Trubels der Großstadt, zeigte sich mit zwei Übersetzungen von Fos Stück nicht sonderlich glücklich, baute daraus eine neue zusammen und ließ sich von Eva Schuster zwei aktuell gefärbte Lieder schreiben: „Wer zahlt die Rechnung? Wer rettet den Markt und kriagt scho mit 30 an Herzinfarkt…Was schau ma so bleed? Warum wer ma uns ned? …“ bzw. „Scheißt da nix, passiert da nix, in der Gunst des Augenblicks wird ma sehr erfinderisch und is aa ned wählerisch! Hypo Alpe Adria Heta ratatatataaaaa.“ Alle fünf spielen lustvoll, beherzt, mitreißend, richtig getimt. Eine Pointe, ein Gag jagt den nächsten. Und waren überwältigt davon, wie das Publikum mitging. Und das vom ersten Moment an, als Asli Kişlal als temperamentvolle Antonia mit vollen Händen vom Supermarkt nach Hause kommt. Mehr als überzeugend auch Stefano Bernardin in all seinen Rollen – samt dem Sidekick, dass kleine Theater eben aus Geldmangel manche mehrere Rollen spielen lassen müssen (was dem Original entnommen ist).

Hubsi Kramar verlegt die Italianità in die Hasengassn  (Mottingers Meinung – von Michaela Mottinger – 11.11.15)

Der Literaturnobelpreisträger hätte, lässt sich vermuten, seine Freude daran, wie jetzt in Wien seine Aufforderung zum zivilen Ungehorsam inszeniert wurde. Denkanstifter Hubsi Kramar zeigt im Akzent „Bezahlt wird nicht!“ und hat dazu Dario Fos Frauenpower-Farce in die Hasengassn verlegt, also die Adria nahe an die Hypo Alpe, mei Chianti is ned deppat, und daraus ein saftiges Stück Volkstheater samt Couplets gemacht, die Satire als schlechtes Gewissen der Macht sozusagen. Bevor man sich prächtig zu amüsieren traut, ist man ernüchtert, wie aktuell diese 41 Jahre alte Agitpropkomödie noch ist. Die Verhältnisse sie sind noch so, sie sind schon wieder so. Gegen den Diebstahl der Marktwirtschaft hilft nur Ladendiebstahl. Und so macht eine Menge wütender Frauen dem Konsum im Wortsinn den Garaus. Freie Marktwirtschaft ist ein im Grunde revanchistisches System. Für jede Quittung, die man überreicht, revanchiert sich jemand mit einer Rechnung, die er präsentiert. Die working und wegrationalisierten poor holen sich also ihren Anteil am Profit in Form von Nudeln und Dosenparadeisern, die Butter vom Brot eines Plissonnier und seines Broseta, aber, ach, käme erst das Fressen, doch es kommt die Moral in Gestalt der Ehemänner. Der ehrliche Arbeiter nimmt nicht einmal selbst erbeutete Almosen an. Ja, wir waten bis zum Hals in der Scheiße, aber genau deshalb tragen wir den Kopf hoch erhoben. Daher weg mit dem Zeug, unters Bett und unter die Kittel, plötzlich sind alle schwanger und Polizisten vor der Tür …

Worteschmied Fo heftet den ihm eigenen anarchischen Witz an seine politischen Wahrnehmungen, und Hubsi Kramar zeigt an diesem Beispiel auf seine Weise, dass der Neoliberalismus auf dem rechten Weg ist. Privatisierung kommt von privare/ berauben. Aus dem Originaltext und zwei Übersetzungen, mit kritischem Geist und spottendem Herzen, formulieren der Theatermacher und seine Truppe ihre Absage an die Marktfundamentalisten und die Internationale Solidarität der Banker. Avanti Popolo! Zum heiteren Gegenangriff. Der Hanswurst kann laut sagen, was Hamlet im Stillen denkt. Selbstverständlich ist jede Ähnlichkeit mit aktuellen Tagesereignissen gänzlich beabsichtigt. TTIP-Freihandelsabkommen und andere unsaubere Geschäfte, Nestlé und Novomatic, Asyldyskoordination und Abschiebung, Gentrifzierung und Griechenland, Steuerreform und andere Skandale, wie den Leuten die Schlag-Zeilen eben so auf den Kopf knallen, so geht’s rund in „Bezahlt wird nicht!“ reloaded. Dass das Akzent dafür der perfekte Aufführungsort ist, zeigt einer der größten Lacherfolge, als es über eine Figur hilflos erstaunt heißt: „Der ist ja linker als dein Parteivorsitzender.“ Akzent: Applaus! Angesichts schwarzer Geschäfte sieht die Gesellschaft rot. Markus Liszt hat auf die Bühne eine grindige Puppenstube gestellt. Mit Propangasflaschen. Im Zinshaus eine Küchenuhr ohne Zeiger. Darin wirkt Asli Kislal mit der ganzen Kraft ihres Amtes als Antonia. Sie zeigt wie Istanbuler Italianità geht, aber hallo. Mit Tempo und Temperament redet sie alle in Grund und Boden und sich beinah um Kopf und Kragen, in dramatischer Geste eine Silvana Mangano, nur, dass sie nicht einmal mehr bitteren Reis servieren kann. Obwohl Volkes Stimme Gottes Stimme ist, fällt sie kurz vom Glauben an ein gutes Ende ab. Aber es wird wieder. Der Opa war auch so. Ein katholischer Sozialist. Kreisky und der Papst. Die österreichische Er-Lösung. Was Kislal zeigt, ist, unterstützt von Gioia Osthoff als treuer und herziger Margherita, großes Kino; Kramar, der große Feminist, weiß, wie man Männer dumm und dämlich quatschen kann. Er setzt zwei exzellente Komödiantinnen in Szene, denen Markus Kofler und Sascha Tscheik mehr als Pantoffel- denn als -helden gegenübertreten.

Kofler, immer mit einem Bein im absurden Theater, gibt den um seine Ruhe gebrachten Nur-Ruhe-Menschen Giovanni, Antonias Angetrauten, ein Proletarier, der höflichst um klare Abgrenzung vom Begriff Prolet bittet. Eine tragische Figur, er kann einem leid tun, weshalb umso vergnüglicher ist, ihm zuzusehen, wie unlustig er das alles findet. Wie er das ihm vorgesetzte Hundefutter wie ein Gourmetkritiker bewertet – mit zwei Spritzern Zitrone vielleicht? Das hat Charms. Tscheik ist als Margheritas Mann Luigi der Praktiker in diesem herrlichen Duo, die Hand zu diesem verzweifelten Hirn. Er hat das Publikum auf seiner Seite, wenn er über seine umgekehrte Logik von Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Sein philosophiert. Weil die nehmen ja unsere Arbeit und wir geben sie ihnen. Der größte Kasperl im Theater aber ist Stefano Bernardin. Er ist Wachtmeister und Carabiniere, ist linkslinker Sicherheitssubversiver und aufrechter Ordnungshüter, ist ein Flageolet und ein Capitano Spavento, eine Granate bis zur Kopfbedeckung. Und beim Singen furchteinflößend wie einmal Stefan Weber. Neben Hubsi Kramars Cameo-Auftritt erfreut er am meisten als Leichenbestatter Dalí Dalí – da ist er auch, dieser Weber-Blick – und als Giovannis leicht verwirrter Vater. Ein gelungenes Quartett. In Stockholm 1997 sagte Dario Fo: „Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen.“ Optimistisch, diese Hoffnung, dass sich der Markt über mehr (heu)schreckt, als nur die Konjunkturdaten. Hubsi Kramar ist Optimist. Er kämpft einen klasse Kampf. Er will das Kapital kaputt lachen. Dem Mann kann bei dieser Arbeit im Akzent gut geholfen werden.

bezahlt-wird-nicht-standard (von Ronald Pohl – Standard – 12.11.15)